von Stefanie Grötzner
Vorwort
Natürlich denken viele bei dem „Land der Superlative“ an China. Jenes Land, in dem Milliarden an Geldern in Firmen und Megabauten investiert werden, um Gebäude und Tower zu errichten, von denen Europäer nicht einmal zu träumen wagen würden.
Auch das Land, das das billigste Elektroauto herstellt, aber auch am meisten Schadstoffe in die Luft ausstößt, weil dort die meisten Fabriken stehen. Denn hier produziert die Welt günstiger und lässt dort produzieren. Ein Land, das auch in den Gegensätzen ein Superlativ ist.
Doch ein Superlativ ist der Definition nach die höchste Form der Steigerung und um so etwas zu erreichen, muss man nicht immer in ein fernöstliches Land reisen. Einige der schönsten und eindrucksvollsten Superlative habe ich, wenn man so möchte, direkt vor meiner Haustüre. Im – für mich – schönsten Bundesland der Welt, denn wir haben nicht nur viele Superlative, sondern auch als einziges Bundesland einen direkten Zugang zur Nord- und Ostsee und welches Bundesland kann das nun einmal schon von sich behaupten? Ihr merkt: Ich rede von Schleswig-Holstein. Hinzu kommt natürlich, dass wir ebenso schnell in Dänemark und in Hamburg sein können.
Doch zurück zu meinen Superlativen, die mich so beeindrucken. Ich finde die in unserem Bundesland besonders beeindruckend, da sie sich dadurch auszeichnen, dass die Menschen bei ihrer Entstehung ein besonderes Maß an Raffinesse und Erfindungsgeist an den Tag legen mussten. Ihnen standen keine besonderen technischen Hilfsmittel zur Verfügung. Sie waren auf Ideen und ihre Hände angewiesen und – ja, ich gebe es zu – ein wenig Technik hat eine Rolle gespielt, aber nicht einfach nur ein Computer.
In den folgenden Geschichten möchte ich euch nun mein Land der Superlative vorstellen und den einen oder anderen dazu animieren, einen Urlaub oder einen Ausflug zu machen, um die schönsten Superlative Norddeutschlands zu besuchen.
Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es kann sich auch immer wieder etwas ändern, aber ich hoffe, meine Recherchen sind korrekt und ihr erlebt ein paar schöne Stunden und entdeckt noch mehr schöne Dinge, während ihr die Superlative Schleswig-Holsteins entdeckt und vielleicht auch neue findet.
Kapitel 1
Der Plan, einen Kanal zu bauen, der Nord- und Ostsee miteinander verband, wurzelte schon lange in den Köpfen der Schleswig-Holsteiner, schon da, als es sie eigentlich noch gar nicht richtig gab, denn die Geschichte der Schleswig-Holsteiner ist nicht immer eine von einem geeinten Schleswig-Holstein. Teilweise getrennt durch eine dänische Herrschaft und Kriegen um Macht und territoriale Kämpfe, standen die Bewohner des heutigen Bundeslandes immer zwischen den Stühlen, daher steht nunmehr auf dem Wappen „Op ewig ungedeeldt.“ (Auf ewig ungeteilt)
Und so mag man vergessen, dass eines der Wahrzeichen, für das das kleine Bundesland bekannt ist, eigentlich kein Handelsweg werden sollte, sondern die Flotte der Deutschen zwischen den Meeren hin- und herbringen sollte ohne das Territorium der Dänen nutzen zu müssen und damit ihre Erlaubnis einholen zu müssen.
Sei es also darum, Schleswig-Holstein ist bekannt für den Nord-Ostee-Kanal, den viele auch als den Kiel-Kanal oder Kaiser-Wilhelm-Kanal kennen. Als ich ein Kind war, sprach mich ein Kind auf englisch an, ob ich am Kiel-Kanal wohnen würde. Ich konnte erst nichts damit anfangen, denn für mich gab es keinen Kiel-Kanal, aber meine Mutter erklärte mir, dass der Nord-Ostsee-Kanal im Ausland so heißen würde.
Es ergab für mich keinen Sinn, denn der Kanal beginnt ja nicht in Kiel, der Kanal ist eine künstliche Wasserstraße. Er wurde von Menschenhand gestaltet, um die Nordsee mit der Ostsee zu verbinden. Noch immer ergibt es für mich keinen Sinn, warum man Dinge im Englischen anders benennt, als sie tatsächlich heißen.
1887 erfolgte die Grundsteinlegung des Nord-Ostsee-Kanals. Er konnte 1895 in Betrieb genommen werden. Interessanterweise konnte man damals tatsächlich rechnen, denn die Kosten des Baus überschritten nicht die Kosten, die vorher veranschlagt wurden. Kaiser Wilhelm II benannte einen Tag später den Nord-Ostsee-Kanal um, nach seinem Großvater Kaiser Wilhelm.
Nach einem Ausbau 1907 bis 1914 ist der Kanal nun knapp 100 Kilometer lang und nur 12 Meter tief. Der Ausbau hingegen kostete mehr als seinerzeit der gesamte Bau des Kanals.
Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene, künstliche Wasserstraße der Welt und wer etwas Zeit hat kann nicht nur mit dem Fahrrad von der Nordsee an die Ostsee fahren oder andersherum, sondern sich auch einfach an den Kanal stellen oder setzen und die zahlreichen Schiffe beobachten, die stetig den Kanal passieren, unter ihnen auch die vielen Kreuzfahrtschiffe.
Kapitel 2
Die Älteste, die Längsten und natürlich den Größten
Doch wer nun denkt, das war es mit den Superlativen um den Kanal, der irrt sich. Denn wir Schleswig-Holsteiner haben nicht die Älteste, die Längsten und den Größten.
Schon bei der Eröffnung des Kanals wurde die älteste Filmaufnahme Deutschlands gefertigt. Auch, wenn sie von einem Briten namens Birt Aces aufgenommen wurde soll sie doch die älteste Filmaufnahme Deutschlands sein und heißt: „Opening oft the Kiel Canal“ vom 20. Juni 1895.
Wir haben auch die Längsten, denn in Schleswig-Holstein haben wir davon viel, nicht nur viele Wege. Woher der Spruch „etwas auf die lange Bank schieben“ stammt, kann ich nicht sagen, aber wer dies in Schleswig-Holstein tut, kann dies auf jeden Fall auf der längsten Bank der Welt tun, denn diese steht am Kanal. Mit einer Länge von 575,75 Metern ist sie die längste Bank der Welt. Immer wieder wurde versucht der Rekord zu knacken, doch stets wurde von den Rendsburgern, in dessen Stadt sie steht, reagiert und die Bank wurde kurzerhand verlängert. Wer also einmal Zeit hat, sollte sich einen Moment Zeit nehmen und den Blick auf den Kanal von dieser Bank genießen und alle Dinge auf die lange Bank schieben, denn eine Pause lohnt sich hier auf jeden Fall.
Doch Schleswig-Holstein hat auch den längsten Ortsnamen. Wobei es zwei gibt, wenn man es genau nimmt. Schmedeswurtherwesterdeich ist der längste Ort ohne Bindestrich und Hellschen-Heringssand-Unterschaar mit 32 Zeichen der längste Name in Deutschland mit Bindestrich. Zusammen mit Rehm-Flehde-Bargen sogar nur eine von zwei Gemeinden in ganz Deutschland mit Triplenamen.
Aber da aller guten Dinge drei sind, hat Schleswig-Holstein noch einmal den längsten bzw. das längste, denn unter dem Kanaltunnel hindurch gibt es in Rendsburg einen Fußgängertunnel zu dem die größte Rolltreppe Europas führt.
Schleswig-Holstein hat das und den Größten, denn es hat das größte zusammenhänge Kohlanbaugebiet Europas. 90 Millionen Kohlköpfe werden hier jährlich angebaut. Kein Wunder also, dass es hier in Dithmarschen die Kohltage gibt, die ausgiebig gefeiert werden und nicht nur für Kohlfans einen Besuch wert sind. Dann steht ganz Dithmarschen Kopf, wie es so schön heißt.
Und auch wenn es die Baden-Württemberger ärgert, aber wir haben den Größten! In Heide ist er, der größte Marktplatz Europas. Mit 47.000 Quadratmetern ist er größer als 4 Fußballfelder und damit etwas größer als der Marktplatz in Freudenstadt.






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