von Stefanie Grötzner
Kapitel 1
Das fünfte Alihorn
Vier Alihörner stehen im Kreis um ein Erdpony herum und richten ihre Hörner auf die kleine Lotte, die gar nicht so recht weiß, wie ihr geschieht.
Lotte ist ein weißes Pony mit braunen Punkten, die ihren ganzen Körper überziehen. Obwohl die anderen Ponys sich immer wundern, dass es exakte Punkte ohne Ausfransungen sind, hält sich Lotte doch für ein normales Pony.
Zumindest bis heute Nacht.
Natürlich hatte Lotte schon von den Alihörnern gehört. Ihre Mutter hatte ihr oft Geschichten darüber erzählt, doch Lotte hätte nie zu träumen gewagt, eines von ihnen zu sehen, geschweige denn alle vier Alihörner, die in einer Welt fern der Erde für Gutes in der Welt sorgen.
Und doch waren sie jetzt alle vier Alihörner hier und umringten sie, während der Vollmond die Koppel, auf der Lotte und weitere Pferde und Ponys standen, hell erleuchtete.
Die anderen Pferde und Ponys hielten alle einen großen Abstand. Lotte wusste nicht, ob sie es aus Angst taten oder aus Ehrfurcht, denn es konnte niemanden in der Welt der Ponys und Pferde geben, der nicht von Mia, Emma, Luise und Ella gehört hatte.
Außerdem ging es Lotte nicht anders. Sie hatte Angst und Ehrfurcht vor den vier Alihörnern. Woher die Angst kam konnte sich Lotte nicht erklären, denn die vier Alihörner waren für ihre großen Herzen, ihren Mut und ihre guten Taten bekannt.
Noch nie hatte man eine Geschichte über sie gehört, in der sie etwas Schlechtes oder gar Böses getan hätten.
Und doch fragte sich Lotte was die Alihörner nun von ihr wollten. Sie war doch nur ein einfaches Pony wie jedes andere.
Lotte fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut, denn sie mochte es nicht, im Mittelpunkt von irgendetwas zu stehen. Lieber war sie nur Teil einer Herde.
Doch dies würde nun für immer vorbei sein, denn in genau diesem Augenblick begannen die vier Alihörner einen Singsang, der Lottes Leben für immer verändern würde.
„Lieber Vollmond scheinst und lachst,
verleihst uns dadurch diese Macht,
zu ändern dieses Pony diese Nacht,
zu einem Einhorn voller Pracht.
Das reine Herz haben wir erkannt,
deswegen wird Lotte zu einem Einhorn ernannt.
Der Wandel soll diese Nacht geschehen,
niemand außer uns wird es je sehen.“
Bevor das letzte Wort gesprochen ist scheinen aus den Hörnern der Alihörner Funken zu sprühen und die eben noch klare Nacht wird von goldenen, rosafarbenen und lilafarbenen Lichtern durchzuckt, wie Blitze, nur, dass das Licht länger anhält.
Es scheint, als würden sie am Horizont Streifen bilden.
Während die anderen Ponys und Pferde die schönen, farbigen Streifen am Horizont bewundern, beginnt auf der Stirn von Lotte ein Horn zu wachsen. Unbemerkt von den anderen Tieren, setzen die Alihörner ihren Spruch fort:
„Funkel, funkel, kleiner Stern,
wir Alihörner haben jeden gern,
wir wünschen uns in dieser Nacht,
dass ein neues Alihorn erwacht.
Darum hilf diesem Einhorn zu erkennen,
dass wir es zum nächsten Alihorn ernennen.“
Die Farben, die gerade am Horizont zu verblassen drohen, strahlen erneut auf, als hätte jemand einen Eimer Farbe auf die jeweiligen Streifen ausgegossen, damit diese noch kräftiger werden.
Während die anderen Tiere die neu erstrahlenden Farben bewundern, wachsen Lotte Flügel, die sogar die anderen vier Alihörner erstaunen, denn sie sind regenbogenfarben. Und als Lotte probehalber mit ihnen schwingt, spiegelt sich das Mondlicht derart, dass die Flügel alle Farben der Welt fließend wiedergeben.
Die Flügel scheinen wie ein fließender Regenbogen zu sein. Die Farben fließen über die Flügel und verändern sich bei jeder Bewegung.






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