Meine Buchneuerscheinung: Die Rache des Mafioso

Daher heute schon einmal für alle eine Leseprobe:

Prolog

Das Klingeln des Weckers dringt unerbittlich in sein Ohr. Wie schon so oft in den letzten Jahren ist das unbändige Gefühl, einfach liegen zu bleiben und seinen Job nicht zu erfüllen, da. Das Gefühl wird mit jedem Auftrag größer, nur die Sorge um die Sicherheit seiner Tochter zwingt ihn an diesem Tag, wie an jedem anderen Tag zuvor, seit seine Frau gestorben ist, aufzustehen und in das zermürbende Hamsterrad zu steigen.

Wobei gestorben nicht wirklich die richtige Formulierung ist, denn gestorben klingt nach einer natürlichen Todesursache und das ist das genaue Gegenteil von dem, was seiner Frau passiert ist.

„Papa,“ ruft seine Tochter und ihre fröhliche Stimme zaubert ihm trotz der Trostlosigkeit seines Daseins ein Lächeln auf die Lippen.

Er wollte keine Kinder, nicht, weil er sie nicht mochte, sondern weil er in diese Welt keine Kinder setzen wollte. Es gibt zu viel Gewalt und Tod um ihn herum. Egal, wie viel Mühe sich die Eltern gaben, kein Kind, welches hier aufwachsen würde, hatte eine Chance auf ein schönes Leben und doch liebt er seine Tochter und dankt seiner Frau jeden Tag, dafür, dass sie sich damals durchgesetzt hat.

Als die Kleine das Licht der Welt erblickte, war es der schönste Tag in seinem Leben und gleichzeitig auch der schlimmste Tag. Von diesem Tag an war er nicht nur für die Sicherheit seiner Frau, sondern auch für die Sicherheit dieses kleinen Wesens verantwortlich, welches ihn anlächelte, als gäbe es nichts Schlechtes auf der Welt.

Wie gerne hätte er ihr dieses Gefühl für immer gegeben. Doch das Leben ist nun einmal nicht so. Das Leben holt einen schneller ein, als man es sich wünscht und die Welt in der er lebt, ist unerbittlich.

Als er an diesem Tag aufsteht, weiß er noch nicht, dass dies der letzte Tag sein würde, der für seine Tochter ein einigermaßen unbeschwertes Leben bedeutete. Denn dies war es, was er jeden Tag versuchte: Seine Tochter von dem wahren Leben abzuschirmen, um ihr wenigstens eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen.

Doch nur wenige Augenblicke würden dafür sorgen, dass sich ihrer beiden Leben nicht nur für immer veränderten, sondern in ein Chaos stürzen würden, aus dem sie alleine nie wieder herausfinden würden.

 

Teil 1

Kapitel 1

Sie kann sich nicht bewegen. Sie steht einfach nur da. Um sie herum bewegt sich etwas, das spürt sie, doch sie kann sich nicht bewegen, um nachzusehen, was es ist. Sie sollte weglaufen und sich in Sicherheit bringen, doch ihre Füße gehorchen ihr nicht.

Starke Hände drehen sie herum. Sie spürt die Wärme, die von ihnen ausgeht, auf ihren Schultern. Ihr Verstand kann nicht verarbeiten, was gerade passiert.

Sie schaut in die braunsten Augen, die sie je gesehen hat. Es erinnert sie etwas an den Teddybären, den ihr Vater ihr als Kind gekauft hat. Jener Teddybär, den sie nach seinem Tod jahrelang überall mit hingenommen hatte.

Die braunen Augen sind sanft und strahlen Sorge aus.

Wieso sollte er sich sorgen, obwohl er sie gleich ebenfalls töten möchte?

Er sagt etwas zu ihr, aber ihr Gehirn kann es nicht verarbeiten. Sie kann sehen, wie sich seine Lippen bewegen, doch bei ihr kommt nichts an. Als wäre sie taub, obwohl sie weiß, dass sie hören kann. Doch in diesem Moment ist um sie herum alles still.

Seine starken Arme heben sie hoch und tragen sie nach draußen. Er trägt sie wie ein kleines Kind in seinen Armen. Wohin bringt er sie? Warum tötet er sie nicht gleich hier wie die anderen auch?

Ihr Blick ist starr an die Decke gerichtet. Aber auch hier ist überall Blut, bis sich der blaue Himmel über ihr ausbreitet, weil sie anscheinend hinausgetreten sind.

„Sie spricht nicht,“ hört sie auf einmal seine tiefe Stimme an ihrem Ohr, als er sie in einen Krankenwagen setzt. Sie spürt die kalte Liege unter sich und ist noch verwirrter als eben noch.

„Sie war da drin?“ fragt eine junge Frau in Rettungssanitäteruniform.

„Ja,“ antwortet er und noch nie hat sie so viel Bedauern in einem so kurzen Satz gehört.

Sie schaut von Einem zum anderen und versucht, zu verstehen, was hier gerade passiert, doch in ihrem Kopf tauchen immer wieder Bilder von Blut auf, dass das klare Denken unmöglich macht.

„Dann ist es kein Wunder,“ sagt die junge Sanitäterin, während sie ihre Reflexe untersucht. „Sie scheint körperlich gesund zu sein. Sie hat einen Schock, den muss sie verkraften. Ich kann ihr eine Infusion legen, damit sie schläft und wir nehmen sie mit in das nächste Krankenhaus.“

„Kein Krankenhaus,“ bestimmt er und seine Stimme macht deutlich, dass er keinen Widerspruch duldet.

Die Sanitäterin zuckt mit den Achseln: „Es macht ja eh keinen Sinn, mit dir zu diskutieren. Aber sie braucht Ruhe und einen sicheren Raum, in dem sie das Trauma verarbeiten kann.“

Kapitel 2

Susa stand auf dem Namensschild an ihrer Uniform, bevor sie sie ausziehen musste, damit diese von der Gerichtsmedizin untersucht werden konnte.

Dass die Techniker etwas finden, hält er zwar für höchst unwahrscheinlich, aber so ist nun einmal der Prozess. Außerdem können Sie so ihre Fingerabdrücke und Fasern ausschließen.

Einer seiner Kollegen hatte zwar gewitzelt, dass man immer nur den Täter am Tatort antrifft und keine unverletzte Zeugin, doch das sah er ganz anders.

Wenn sie die Täterin gewesen wäre, hätte sie überall Blut auf ihrer Kleidung haben müssen und falls sie so schlau gewesen wäre, sich umzuziehen, wäre sie sicher nicht zurück an den Tatort gekehrt, um der Polizei in die Arme zu laufen.

Außerdem war ihr Schock echt, davon ist er überzeugt und welcher Täter würde einen derartigen Schock erhalten von seiner eigenen Tat? Er ist sich sicher, so etwas konnte man nicht vorspielen.

Nein, diese Täter waren organisiert oder im Blutrausch. In ihren Augen sah er Güte und Verletzlichkeit, dies passte so gar nicht so einem derartigen Massaker, dass sie an dem Tatort vorgefunden haben.

Außerdem war er sich sicher, dass ein solches Blutbad nicht von einem Täter allein hätte angerichtet werden können. Und auch wenn es chauvinistisch klingt, denkt er nicht, dass eine Frau eine derartige Bluttat verüben könnte. Seine Schwester würde ihn für einen derartigen Gedanken sicher zur Schnecke machen, aber er kann sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau derartiges tut.

Susa sieht so zart und zerbrechlich aus, wie sie sich auf dem Bett zusammengerollt hat. Er liegt ausgestreckt neben ihr, da es in diesem Hotelzimmer keine andere Sitzgelegenheit gibt.

Natürlich hätte er sie in eines der nobleren Hotels bringen können, doch diese verlangten einen Ausweis und eine Kreditkarte und er war nicht bereit, Spuren zu hinterlassen.

Zu oft hatte der Don schon Zeugen oder Opfer verschwinden lassen, obwohl sie unter Polizeischutz standen. Er würde alles tun, um diese junge Frau zu schützen, denn sein Bauchgefühl sagte ihm, dass diese Frau so unschuldig war, wie bisher niemand, für den er verantwortlich war.

Er hört ihren ruhigen Atem und ist froh, dass das Mittel wirkt, welches ihr Betty, die Rettungssanitäterin, gegeben hat. Bei einem Schock ist Schlaf erst einmal die richtige Medizin. In ihrem Zustand war sie ohnehin nicht dazu in der Lage, eine Aussage zu machen. Sie war ja nicht einmal dazu in der Lage, ein einziges Wort zu sagen.

Zum Glück war er der Dienstälteste seiner Behörde und so wollte keiner mit ihm diskutieren, als er klarstellte, dass er Susa mitnehmen würde und keinem sagen würde, wo sie sein würden. Sobald sie in der Lage wäre, eine Aussage zu machen, müsste sie auf das Revier, aber darüber konnte er sich den Kopf zerbrechen, wenn es soweit ist.

Gerne würde er ihr über ihre braunen Locken streichen, die ihren Kopf umrahmen, um ihr zu zeigen, dass sie in Sicherheit ist. So, wie man es auch bei Kindern macht, wenn man ihnen zeigen möchte, dass alles wieder gut wird. Aber er kennt die Grenzen seiner Tätigkeit und diese darf er nicht überschreiten, egal, wie wichtig oder unwichtig die Zeugin ist.  

Wobei er sich bei Susa sicher war, dass sie eine sehr wichtige Zeugin ist. Warum, kann er noch nicht sagen, aber sein Gefühl hat ihn bisher noch nie getäuscht.


Entdecke mehr von Die Schreibwerkstatt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar

Angesagt